Bisherige Aktivitäten des Deutsch-Polnischen Bürgerforums

2019

  • 4. April 2019: Lesung mit Emilia Smechowski "Wir Strebermigraten" in der Buchhandlung am Bebelplatz.
  • 7. Februar 2019: Studienfahrt ins Deutsche Polen-Institut in Darmstadt 2019

2018

  • 15. bis 18. Novmeber 2018: Mitwirkung bei der Europäischen Bürgerbegegnung: Workshop zum Europäischen Geschichtsbewusstsein und Polenmobil des DPI Darmstadt
  • 11. November 2018: Musikalischer Festakt: 100 Jahre Unabhängigkeit Polens
  • 19. bis 27. Mai 2018: Europäische Bürger-Reise nach Polen
  • 11. Mai 2018: Europa? Europa mit uns allen! Auf dem Wege zu einer gelebten Europäischen Bürgerschaft, Bürgersaal im Rathaus

2017

  • 22. November 2017 – Lesung mit Matthias Kneip „111 Gründe Polen zu lieben“, Buchhandlung am Bebelplatz
  • seit September 2017 – Lesezirkel - polnische Literatur in Kassel (trifft sich alle 6 Wochen: 9 Teilnehmer - Koordination: Barbara-Hoffmann Kannegiesser und Krystyna Götz)
  • 19. Juni 2017 – Gesprächsrunde mit Maciej Przybyszewski, Mitarbeiter im Posener Marschallamt, zuständig für die Regionalpartnerscahft Hessen-Wielkopolska, Rathaus
  • seit Juni 2017 – Beteiligung an zahlreichen Treffen des Organisationsteams zur Vorbereitung der trinationalen Bürgerbegegnung im Herbst 2018
  • 10. und 11. Mai 2017 – Akteurskonferenz, französisch-polnisch-deutsche Bürgerbegegnung, Bürgersaal im Kasseler Rathaus
  • 9. März 2017 - „ Polen contra Europa. Zur politischen Situation in Polen“ Diskussion mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments Prof. Dr. Krasnodȩbski – PiS / Polen und Thomas Mann- CDU / Deutschland, Stadtteilzentrum Vorderer Westen

2016

  • 3.-12. Mai 2016 – Ausstellung zur Deutsch-Polnischen Geschichte in der Ernst-Reuter-Schule in Kassel; Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt
  • 22. November 2016 - „Von der Fulda an die Weichsel und zurück“ Ein Gespräch mit Krystyna Götz über deutsch-polnische Zusammenarbeit im Schul- und Bildungsbereich Moderation – Dr. Sebastian Pietrzak, Zum Bergarten, Kirchditmold
  • 4. Mai 2016 – Bürgerforum; „25 Jahre Deutsch-Polnischer Freundschaftsvertrag. Bewährtes und neue Herausforderungen“, Diskussion mit sieber Referenten – World Cafe im Bürgersaal
  • 3.-12. Mai 2016 – Ausstellung zur Deutsch-Polnischen Geschichte in der Ernst-Reuter-Schule in Kassel; Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt

 


 

Rede von Außenminister Heiko Maas anlässlich der Gedenkveranstaltung zum Warschauer Aufstand

Eine junge Warschauerin läuft durch ihre Stadt. In ihrer Hand hat sie eine Kamera. Was fängt sie damit ein? Die Schönheit der Altstadt? Ihre Freunde in einem der unzähligen Cafés in dieser Stadt? Ein Selfie im Park?

Das jedenfalls bekommen wir zu sehen, wenn wir auf Instagram, da bewegen sich ja viele junge Menschen, den Hashtag #Warschau eingeben. Eine Stadt im Aufbruch - jung, modern und weltoffen.

Auch Ewa Faryaszewska war eine junge Warschauerin. Auch sie lief mit einer Kamera durch die Stadt. Doch die Fotos, die sie machte, zeigten Häuserskelette, aus denen Flammen steigen. Sie zeigten ein Ruinenmeer.

Diese Fotos stammen aus den Zeiten des Warschauer Aufstands.

Als er begann, war Ewa 24 Jahre alt. Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste. Für Ewa wie für viele andere Warschauerinnen und Warschauer war an jenem 1. August im Jahr 1944 klar: Das ist der Moment, die Barbarei der Besatzer abzuschütteln.

Der Moment, alles zu wagen. Für ein freies Land, ein freies Polen, für eine bessere Zukunft.

Doch Ewa kämpfte nicht mit Waffen gegen die deutschen Besatzer. Sie nutzte ihre Kamera. Mit ihr dokumentierte sie das untergehende Warschau, die grenzenlose Zerstörung dieser Stadt, die sie so sehr liebte. 

Meine Damen und Herren,

es ist nicht leicht, das heutige lebensfrohe Warschau, das ich auch gestern gesehen habe, mit den Bildern von Ewa Faryaszewska in Einklang zu bringen.

Oder mit den Bildern, wie ich sie auch gerade in einem kurzen Film mit meinem Kollegen gesehen habe. Dort sieht man Warschau, oder das, was davon übrig geblieben ist, nach dem Ende des Aufstands.

Die einst so schöne Stadt – zerbombt zu einer einzigen Trümmerwüste.

Diese Bilder sprengen unser menschliches Vorstellungsvermögen. Wenn man sie nicht sieht, kann man es nicht glauben. Und gerade deshalb ist es wichtig zu sehen, wozu Menschen in der Lage sind.

Wie furchtbar dieses Werk war, wird nirgendwo so deutlich wie hier, im Stadtbezirk Wola, wo heute der Puls des modernen Warschaus schlägt. Hier verübten die deutschen Besatzer ein besonders grausames Massaker an Unschuldigen.

Das Signal war überdeutlich: Warschau sollte ausgelöscht werden. Die Stadt und die Menschen, die darin lebten.

Die junge Studentin Ewa wollte das nicht zulassen. Sie wollte dazu beitragen, die Identität der Stadt und der Menschen, die hier lebten, zu bewahren. Durch ihre Fotos. Und durch die Rettung von Kulturgütern. Es kostete sie das Leben.

So wie Zehntausende andere, derer wir heute voll Trauer und Dankbarkeit gedenken.

Meine Damen und Herren,

jeder einzelne von ihnen hat durch sein Handeln damals deutlich gemacht: die deutschen Besatzer mögen uns fast alles genommen haben: Das Recht auf Bildung, auf Selbstbestimmung, auf körperliche Unversehrtheit.  Aber eines konnten sie uns

nicht nehmen: unseren Willen zur Freiheit.

Warschau wurde zerstört. Aber es wurde nicht gebrochen.

Die Bürgerinnen und Bürger Polens haben dies nicht zugelassen.

Nicht die Menschen, die sich am 1. August 1944 erhoben oder die Aufständischen unterstützt haben. Und nicht die nachfolgenden Generationen, die Warschau wieder aufgebaut haben. Und jeder aufgebaute Stein war dabei ein Sieg des Lebens über das Grauen der Vergangenheit.

Es waren auch die Fotos von Ewa, die dabei geholfen haben. Sie waren ein Baustein von vielen, die die Stadt wieder zu dem gemacht haben, was sie heute ist und dank der Polinnen und Polen auch nie aufgehört hat zu sein: eine europäische Metropole im Herzen unseres Kontinents.

Meine Damen und Herren,

die Verbrechen, die vor 75 Jahren von Deutschen und in deutschem Namen dieser Stadt und ihren Bewohnern angetan wurden, sind kaum in Worte zu fassen. Das wird in diesem Museum sehr deutlich.

Und Deutschland trägt die Verantwortung für dieses Grauen.

Und diese deutsche Verantwortung betrifft nicht nur Warschau. Auch in anderen Teilen des Landes wurden Städte zerstört und ganze Dörfer ausgelöscht. Wurde die Bevölkerung vertrieben, um sogenannten „Lebensraum“ – was für ein zynisches Wort! - zu schaffen. Und zwar für Deutsche.

Die Zerstörung der Hauptstadt aber war ein besonders düsteres Kapitel dieses Krieges. Ein bewusster Schlag zur Auslöschung all dessen, was polnische Identität ausmacht.

Der heutige 1. August, jeder 1. August in den letzten 75 Jahren, beweist aber, dass dies Gott sei Dank nicht gelungen ist.

Dass ich heute  hier sein darf, das berührt mich persönlich  ganz besonders. Ich weiß nämlich, dass das keinesfalls selbstverständlich ist. Dir, lieber Jacek, danke ich ganz herzlich für diese Einladung, weil sie auch eine ganz besondere Geste der Freundschaft ist.

Ich bin hierhergekommen, weil ich die Toten ehren und die Familien der Toten und Verletzten, weil ich das polnische Volk um Vergebung bitten möchte.

Ich schäme mich für das, was Ihrem Land von Deutschen und in deutschem Namen angetan wurde.

Und ich schäme mich auch dafür, dass diese Schuld nach dem Krieg viel zu lange verschwiegen worden ist.

Umso bemerkenswerter, umso berührender ist, dass es oft Polen war, das nach dem Krieg die Hand zur Versöhnung ausgestreckt hat.

Etwa als die polnischen Bischöfe in einem Brief an ihre deutschen Kollegen im November 1965 den mutigen Satz schrieben: „Wir vergeben - und wir bitten um Vergebung.“ Eine beeindruckende Geste, die leider nie das Echo erhielt, das sie eigentlich verdient hatte.

Meine Damen und Herren,

nicht nur den Toten schulden wir eine ehrliche Aufarbeitung der Vergangenheit. Wir sind sie uns auch selbst schuldig, denn erst das gemeinsame Erinnern bahnt den Weg für eine gemeinsame Zukunft.

Deshalb wollen wir etwas dagegen tun, dass das Wissen um die polnischen Opfer des Krieges in Deutschland oft zu kurz kommt. Dass auch der Warschauer Aufstand bis heute viel zu wenig thematisiert wird, gerade in Deutschland.

Wir haben uns deshalb vorgenommen, dieses Wissen zu fördern.

So wurde vor einigen Tagen mitten in Berlin – in der Gedenkstätte Topographie des Terrors – eine Ausstellung über den Warschauer Aufstand wiedereröffnet.

Und wir unterstützen die Initiative, die in Berlin einen Gedenkort für die Opfer des Krieges und der Besatzung in Polen schaffen will. Das ist lange überfällig.
Eine solche Gedenkstätte wäre nicht nur eine Versöhnungsgeste an Polen. Sie wäre bedeutend auch für uns Deutsche selbst.

Wir können die Verbrechen nicht ungeschehen machen. Und viele Wunden werden wohl niemals verheilen.

Aber wir können dazu beitragen, dass der Opfer gedacht wird und zwar angemessen. Dass ihre Lebensgeschichten erforscht und erzählt werden und durch Erinnern lebendig gehalten werden.

Ich freue mich deshalb, dass das Warschauer Pilecki-Institut die deutschen Aktenbestände zum Warschauer Aufstand gemeinsam mit dem Bundesarchiv digitalisieren will.

Sie sind ein Stück deutsch-polnischer Erinnerung, schmerzhafter Erinnerung –  an deutsche Verbrechen und polnischen Mut, die wir für die kommenden Generationen in unseren beiden Ländern bewahren müssen.

Viele Vertreterinnen und Vertreter dieser neuen Generation sind heute hier – Schülerinnen und Schüler aus beiden Ländern. Einige von ihnen nehmen an einem neuen Projekt „menschen gedenken“ teil, für das sich Außenminister Czaputowicz und ich uns ganz besonders gemeinsam eingesetzt haben.

Sie zeichnen die Schicksale von Menschen wie Ewa Faryaszewska nach. Menschen, die für Menschlichkeit eingetreten sind – und dafür mit ihrem Leben bezahlt haben.

Daraus entsteht ein gemeinsames Verständnis für die Vergangenheit, aber auch für die Sensibilitäten des jeweils anderen in der Gegenwart.

Meine Damen und Herren,

Am 1. August 1944 wurde in Warschau europäische Geschichte geschrieben. Warschau hat einen schrecklichen Preis für diesen Aufstand bezahlt. Aber der Freiheitswille der Polinnen und Polen wurde nicht gebrochen!

Umso tragischer ist es, dass sie auch nach 1945 noch fast ein halbes Jahrhundert auf ihre Freiheit warten mussten.

Darauf bezog sich auch der damalige Bundespräsident Roman Herzog, als er vor genau 25 Jahren hier in Warschau betonte, dass Polens Platz ganz selbstverständlich in Europa ist.

Oder um es mit anderen Worten zu sagen: dass Europa amputiert wäre ohne Polen.

Ohne den polnischen Pragmatismus, ohne seine wirtschaftliche Dynamik. Aber auch ohne seinen zupackenden Optimismus, der auch aus der polnischen Erfahrung resultiert, es immer wieder geschafft zu haben, etwas aufzubauen. Auch wenn sie häufig bei Null wieder anfangen mussten.

All das brauchen wir heute in Europa. Von all dem profitieren wir.

Für uns Deutsche ist es ein großes Glück, mit Polen als gleichberechtigte Partner in einem vereinten Europa heute zu leben.

Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung. Wir haben zum Beispiel in Teilen unterschiedliche Auffassungen in einigen Themen, auch was Fragen der Souveränität angeht – aber wie sollte es  auch anders sein angesichts unserer jeweiligen Geschichte.

Aber das darf uns doch nicht trennen und das wird uns auch nicht trennen. Die Europäische Union ist kein Projekt, das auf Kosten nationaler Identitäten geht.

Im Gegenteil: sie schenkt uns eine zusätzliche. Eine gemeinsame europäische. Deshalb ist es heute ohne jeden Widerspruch möglich, gleichzeitig stolzer Warschauer, Pole und Europäer zu sein.

Aber diese europäische Identität ist nur vollständig, wenn wir unsere verschiedenen historischen Erinnerungen und Erfahrungen zusammenführen. Wenn sie also auch polnische Vorstellungen und polnisches Erinnern einschließt und abbildet.

Nur so werden wir die Spaltungen überwinden, die wir gerade auch in Europa erleben.

Und das sollte doch unser gemeinsames Ziel sein. Denn Spaltung – das wissen unsere beiden Länder aus ganz unterschiedlichen Gründen – verursacht unglaubliche Schmerzen.

Und ebendas macht uns zu Verbündeten. Und daraus erwächst auch eine gemeinsame Verantwortung. Verantwortung zu gestalten und die Bereitschaft zu Kompromissen im Sinne Europas.

Meine Damen und Herren,

auch heute versuchen junge Warschauer, ihre Stadt per Smartphone festzuhalten. Die Kamera ist aber kein Mittel des Widerstands mehr. Die jungen Warschauerinnen und Warschauer dokumentieren mit ihr ganz beiläufig, dass Polen heute längst

dort ist, wo sein Platz immer sein sollte.

In der Mitte Europas, als freies, souveränes und für Europa unersetzliches Land.

Deutlicher lässt sich nicht zeigen, dass das Ziel der deutschen Besatzer, eine polnische Identität auszulöschen, fehlgeschlagen ist.

Auch dank Menschen wie Ewa Faryaszewska, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen wollten. Und damit auch das Schicksal Europas mitgeprägt haben.

Ihr Wille zur Freiheit, ihr Eintreten für Menschlichkeit, all das lebt in der Geschichte Polens und seiner Menschen fort. Und das sind die Werte, die wir heute brauchen. In Polen. In Europa. Weltweit.

Und deshalb, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist das Gedenken, das in diesen Tagen hier begangen wird, ein wichtiges. Ein wichtiges für Polen, ein wichtiges für Deutschland, aber auch ein wichtiges für uns alle in Europa.

„Wir Strebermigranten" - Lesung mit Emilia Smiechowski

Das Deutsch-Polnische Bürgerforum in der Europa Union Kassel organisiert gemeinsam mit der Buchhandlung am Bebelplatz eine Lesung mit

 

Emilia Smiechowski und ihrem Debütroman: „Wir Strebermigranten“!

 

Wann ? Am 4. April 2019 um 19:30

Wo? In der Buchhandlung am Bebelplatz

Eintritt: 10 Euro 

Link zur Facebook-Veranstaltung

 

Emilia Smiechowski – Freie Journalistin, Autorin

1983 in Polen geboren, flieht 1988 mit ihren Eltern nach Westberlin. Studiert Operngesang und Romanistik. Arbeitet als freie Journalistin und Reporterin; u.a. für GEO, Die Zeit und Süddeutsche Zeitung Ihr Essay über die unsichtbaren Polen in Deutschland wird sie mit dem Deutschen Reporterpreis und dem Deutsch-Polnischen Mazowiecki-Preis ausgezeichnet. Emilia Smiechowski lebt in Berlin.

 

Klappentext des Verlages:

Emilia war noch Emilka, als ihre Eltern mit ihr losfuhren – raus aus dem grauen Polen, nach Westberlin! Das war 1988. Nur ein Jahr später hatte sie einen neuen Namen, ein neues Land, eine neue Sprache: Sie war jetzt Deutsche, alles Polnische war unerwünscht. Wenn die neuen Kollegen der Eltern zum Essen kamen, gab es nicht etwa Piroggen, sondern Mozzarella und Tomate. Und als Emilia ein Deutschdiktat mit zwei Fehlern nach Hause brachte, war ihre Mutter entsetzt: Was war schiefgelaufen? Ergreifend erzählt Emilia Smechowski die persönliche Geschichte einer kollektiven Erfahrung: eine Geschichte von Scham und verbissenem Aufstiegswillen, von Befreiung und Selbstbehauptung.

 


 

Impulsvortrag und Podiumsdiskussion "Opfer der deutschen Besatzungspolitik in Polen 1939-1945. Was erinnern? Wie gedenken?"

11.03.2019, 18:00 Uhr

Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund, In den Ministergärten 3, 10117 Berlin

Veranstalter: Deutsches Polen-Institut

 

Begrüßung 

Staatssekretär Martin Gorholt, Chef der Staatskanzlei des Landes Brandenburg
Prof. Dr. Dieter Bingen, Deutsches Polen-Institut 

Impulsvortrag   

Dr. Raphael Utz, Imre Kertész Kolleg, Friedrich-Schiller-Universität Jena
 

Podiumsgespräch mit

Prof. Dr. Martin Aust, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung Osteuropäische Geschichte, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Dr. Annemarie Franke,  Europäisches Netzwerk Erinnerung und Solidarität (ENRS), Warschau, BKGE Oldenburg

Dr. Katrin Steffen, Nordost-Institut Lüneburg an der Universität Hamburg (IKGN e.V.) 

Dr. Raphael Utz,  Imre Kertész Kolleg, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Moderation:   Joanna Stolarek, Neue deutsche Medienmacher
 

Am 1. September 2019 jährt sich der deutsche Überfall auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal. In der deutschen Öffentlichkeit fehlt es bis heute an historischem Wissen über die Rassen- und Vernichtungspolitik im besetzten Polen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren fast sechs Millionen Bürgerinnen und Bürger der II. Polnischen Republik – Juden und Christen, ethnische Polen und nationale sowie ethnische Minderheiten – als Opfer zu beklagen.

Das Augenmerk der Öffentlichkeit liegt nach wie vor auf dem Zivilisationsbruch mit der Shoa, der Terror gegenüber der polnischen Zivilbevölkerung ist viel weniger bekannt. Der einführende Vortrag von Raphael Utz und die anschließende Diskussion nehmen die lückenhafte Kenntnis von dem allumfassenden Terror im besetzten Polen zum Ausgangspunkt für die Diskussion über notwendige Vermittlung von Wissen – und von Empathie.   Das verbindet sich mit dem Thema Erinnerung und Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen deutschen Besatzungspolitik in Polen.

 Begrenztes Platzangebot.   

Anmeldung    ist erforderlich und wird bis zum 1. März 2019 über   das Anmeldeformular  erbeten. 

 


 

Studienfahrt ins Deutsche Polen-Institut in Darmstadt 2019

Das Deutsch-Polnische Bürgerforum in der Europa-Union Kassel e. V. plant im Jahr 2019 für seine Mitglieder sowie interessierte Kasseler Bürger eine Studienreise nach Darmstadt ins Deutschen Polen-Institut.

Termin: Sonntag, 17. Februar 2019
Programmbeginn: 14:00 Uhr

PROGRAMM
Geplanter Ablauf im Deutschen Polen-Institut
– Vorstellung des Instituts mit Aussprache – Manfred Mack, wissenschaftlicher Mitarbeiter
– Führung durch die Ausstellung „Juden in Lublin vor dem Holocaust“ - M. Mack
– Kennenlernen der Bibloiothek
– 17.00 Uhr, Teilnahme an der Veranstaltung „Polenlese. Literarische Abende im Schloß: Czesław Miłosz“ im Karl-Dedecius-Saal – Leitung Dr. Peter Oliver Loew

Zugverbindungen:
Hinfahrt / direkte Verbindung
ab KS Wilh. 11:04
an Darmstadt 13.35
Rückfahrt / 1. Umsteigen in Frankfurt
ab Darmstadt 19.30
an KS Wilhelmshöhe 21:19

 

Organisation: Krystyna Götz, Vorstandsmitglied der EU Kassel e.V.

Das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt ist ein Zentrum für polnische Geschichte, Politik, Kultur und Gesellschaft und die deutsch-polnischen Beziehungen. Es pflegt die Beziehungen zu dem Nachbarland Polen durch sein Programmangebot vorwiegend in Deutschland. Dabei verbindet es mehrere Aufgaben: Es vereint praxisbezogene Wissenschaft und Forschung, Bildungsangebote für Schulen und Hochschulen, politische Foren, editorische Projekte und öffentliche Veranstaltungen. Das Institut besitzt eine einmalige Spezialbibliothek für polnische Literatur, deutsch-polnische Übersetzungen und Kulturbeziehungen in Geschichte und Gegenwart, die zugleich eine Universalbibliothek für Polen und die deutsch-polnischen Beziehungen ist.


Besonderen Wert legt das DPI darauf, das deutsch-polnische Beziehungsgeflecht in den Kontext der Beziehungen zu anderen Nachbarstaaten und der europäischen Integration zu stellen. Gleichzeitig soll der polnische Beitrag für die europäische Geschichte, Kultur, Politik sowie europäisches Denken untersucht und vermittelt werden. Das 1980 gegründete Institut hat seinen Sitz im Residenzschloß in Darmstadt. Weitere Informationen finden Sie auf der hervorragenden Hompage des Polen- Instituts: https://www.deutsches-polen-institut.de

 

17.02.2019, 17:00 UHR
Polenlese. Literarische Abende im Schloss:
Czesław Miłosz
DEUTSCHES POLEN-INSTITUT, KARL-DEDECIUS-SAAL, RESIDENZSCHLOSS, MARKTPLATZ 15, DARMSTADT
VERANSTALTER: DEUTSCHES POLEN-INSTITUT
Czesław Miłosz
Lesung im Rahmen der Lesereihe: Polenlese. Literarische Abende im Schloss. (Zugang über den Karolinenplatz/Wallbrücke).
In unserer Lesereihe „Polenlese“ wollen wir die schmackhaftesten Früchte vom reichen Baum der polnischen Literatur pflücken. Wir stellen bedeutende, aber auch weniger bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller vor: Es wird gelesen, gesprochen, diskutiert, und wer möchte, kann auch seinen Lieblingstext mitbringen.
Das neue Jahr beginnt mit Czesław Miłosz. Der begnadete Essayist und Analytiker der kommunistischer Ideologie beschrieb in seinem umfangreichen dichterischen Werk die Abgründe des 20. Jahrhunderts. Nobelpreis 1980.

 


 

Polnischer Film in Kassels Kinos: Cold War - Der Breitengrad der Liebe

Das Deutsch-Polnische Bürgerforum in der Europa-Union Kassel empfiehlt:

 

Der polnische Film „Cold War“ von Pawel Pawlikowski läuft im Kasseler Bali-Kino. In Cannes für die beste Regie ausgezeichnet und für den Oscar vorgeschlagen. Die Darsteller - einsame Spitze. Schwarz-Weiß. Zur Filmkritik

 


 

DEUTSCH-POLNISCHES PROJEKT - GESCHICHTSBUCH

Im Rahmen der für Oktober 2018 geplanten trinationalen Bürgerbegegnung in Kassel wird Dr. Dominik Pick das herausragende deutsch-polnische "Geschichtslehrwerk Europa. Unsere Geschichte", das auf  Deutsch und Polnische erschienen ist, präsentieren.

 

 

Projekt: Schulbuch – Geschichtsdidaktik
Partner: Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung (GEI)
Ort: Berlin, Braunschweig
Termin: 2012 - 2018
Finanzierung: Außenministerium, Kulturministerium, Stiftung für Deutsch-
Polnische Zusammenarbeit (Polen); Auswärtiges Amt, KMK (Deutschland)

 

Geschichte
Im Januar 2008 regten die Außenminister Polens und Deutschlands die Idee eines deutsch-polnischen Geschichtsbuch an und beauftragten die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission, ein Konzept hierfür zu entwickeln. Im Mai 2008 hat das Projekt offiziell begonnen. Es konstituierte sich eine deutsch-polnische Projektgruppe, bestehend aus wissenschaftlichen und politischen Akteuren beider Länder.

 

Ziele
Ziel des Projektes ist eine Schulbuchreihe, die im deutschen und polnischen Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I in identischer Form, lediglich in unterschiedlichen Sprachfassungen, eingesetzt werden soll. Bedeutsam ist, dass es sich nicht um ein Zusatzmaterial, sondern um ein staatlich zugelassenes Schulbuch für das Fach Geschichte handeln wird, das den Lehrplänen beider Länder entspricht.


Bedeutung
Das Projekt ist von hoher bildungs- und wissenschaftspolitischer Bedeutung für die deutsch-polnischen Beziehungen. Beide Seiten zeigen damit ihren Willen, die geschichtlichen Erfahrungen des Nachbarlandes in der schulischen Vermittlung von Geschichte mit einfließen lassen und den Wissenschaftsdialog über historische Themen vertiefen zu wollen.

 

Konzept
Am 1. Dezember 2010 hat die Projektgruppe in Warschau Empfehlungen für die Erarbeitung eines gemeinsamen Geschichtsbuchs an hochrangige Vertreter der Politik aus Polen und Deutschland übergeben. Der Expertenrat des Projektes macht darin konzeptionelle Vorschläge für die Gestaltung der Schulbuchbände. Diese Vorschläge umfassen ein didaktisches Rahmenkonzept sowie fünf Epochenteile von der Antike bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts und nähern sich zentralen Fragen der europäischen und der globalen Geschichte aus deutsch-polnischer Perspektive.

 

Planungen
Für die Arbeit eines deutsch-polnischen Verlagstandems liefern die Empfehlungen des Expertenrates wichtige Grundlagen. Im Frühjahr 2012 hat das Projekt „Deutsch-Polnisches Geschichtsbuch“ seine nächste Projektphase begonnen. Nachdem auf deutscher wie polnischer Seite Verlage als Partner gewonnen werden konnten, wurde mit der Arbeit an den einzelnen Bänden begonnen. Auf der polnischen Seite ist der Verlag Wydawnictwa Szkolne i Pedagogiczne WSiP, auf der deutschen Seite die
Eduversum GmbH der Verlagspartner des Projektes. Der erste Band der Schulbuchreihe soll 2016 erscheinen.

 

Organisation
Neben einem deutsch-polnischen Steuerungsrat wurde ein binationaler Expertenrat eingerichtet, der den Arbeits- und Publikationsprozess wissenschaftlich begleitet. Dessen Vorsitzende sind Prof. Michael G. Müller (Halle) und Prof. Robert Traba (Berlin/Warschau). Die wissenschaftliche Koordination des Projekts wurde auf der deutschen Seite Prof. Eckhardt Fuchs, dem Direktor des Georg-Eckert-Instituts übertragen; auf der polnischen Seite fungiert Prof. Igor Kąkolewski (Berlin/Warschau) als wissenschaftlicher Koordinator. Auf der deutschen Seite vertritt der Kultusminister des Landes Brandenburg Günter Baaske die Interessen der Kultusministerkonferenz in diesem Projekt, auf der polnischen Seite fungiert die Vize-Ministerin im Bildungsministerium Marzenna Drab als nationale Projektbeauftragte. Alle Gremien sind paritätisch besetzt. Das Projekt wird gleichermaßen von den Regierungen beider Länder finanziert.

 

Öffnet externen Link in neuem FensterKONTAKT: Öffnet externen Link in neuem FensterDominik Pick / Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentrums für
Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in
Berlin

 

 

Einladung zum musikalischen Festakt: 100 Jahre Unabhängigkeit Polens

Einladung zum musikalischen Festakt

100 Jahre Unabhängigkeit Polens

 

 

Sonntag, 11. November 2018, 15 bis 17 Uhr, in der

Musikakademie der Stadt Kassel »Louis Spohr«, Karlsplatz 7

 

 

Programm:

 

Begrüßung der Gäste

Dr. Peter Gries, Direktor der Musikakademie »Louis Spohr«

MUSIK

Grußworte

Prof. Dr. Hermann Heußner, Vorsitzender der Europa-Union Kassel e.V.

Dr. Sebastian Pietrzak, Sprecher des Deutsch-Polnischen Bürgerforums

MUSIK

Festvortrag

Polens Experiment mit der Unabhängigkeit

Krystyna Götz, Vorstandsmitglieder der Europa-Union Kassel e.V.

MUSIK

Ausklang mit Getränken und kleinem Snack

 

Deutsch-polnisches Bürgerforum in der Europa-Union Kassel

Schirmherr: Oberbürgermeister Christian Geselle

Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

 


 

Rückblick: Europäische Bürgerreise nach Polen im Mai 2018

Reiseverlauf herunterladenLeitet Herunterladen der Datei ein

 

Zu einer 9-tägigen Bildungs- und Begegnungsreise nach Polen, gedacht als eine europäische Bürgerreise, hatte die Europa-Union Kassel eingeladen - und 36 Europäer aus Nordhessen waren der Einladung gefolgt. Diese Rundreise führte heraus  aus Deutschlands Mitte (= Kassel) nach Posen (= Poznan), über Warschau (= Warszawa) nach Krakau (= Krakòw), weiter nach Breslau (= Wroclaw), und nach Hause zurück.

 

Unten weiterlesen ...

 

In Warschau wies ein interessanter Vortrag von Herrn Dr. Pravda auf die Besonderheiten der polnischen Situation in der EU hin. Freundlicherweise wurde dieser Beitrag dokumentiert, Sie können ihn hier Leitet Herunterladen der Datei einnachlesen (Download).

 

 

 

 

Reisebericht

 

Aufgrund persönlicher Kontakte des Öffnet internen Link im aktuellen Fensterdeutsch-polnischen Bürgerforums, einer neuen Initiative innerhalb der Europa-Union Kassel, zeichnete sich diese Reise in unser Nachbarland Polen aus durch vielfältige und sehr unterschiedliche Begegnungen. Die liebevoll, überwiegend restaurierten Städte, außer Krakau, wurden den Reisenden durch kompetente, perfekt deutsch sprechende angenehm humorvolle polnische Begleiter gezeigt. („Polnisch sei schwer zu erlernen? Bei uns kann es schon jedes 2-jährige Kind, wo ist die Schwierigkeit?“)

 

Alle 4 Städte sind geprägt durch ihre Flusslage: an Warthe, Weichsel und Oder, na, da fühlen die Kasseler sich doch gleich wohl! Und in allen Städten begegneten den Reisenden auf Schritt und Tritt die unheilvolle Geschichte Polens. Denn das Königreich Polen war vor 300 Jahren noch einer der größten und einflussreichsten Staaten in Europa. Danach verschwand es durch die gewaltsame Aufteilung auf Österreich-Ungarn, auf Russland und das deutsche Preußen für 123 Jahre von der europäischen Landkarte. Erst 1918, vor 100 Jahren, nach Ende des 1. Weltkriegs erlangte es seine Souveränität wieder. Und nur 21 Jahre später, 1939, wurde Polen überfallen von „Hitler-Deutschland“. Zu den übergreifenden Zielen der deutschen Besatzungspolitik im gesamten Gebiet gehörte die Ausschaltung und Vernichtung der polnischen Juden und der polnischen Intelligenz. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es dem Einflussbereich der Sowjetunion zugeschlagen und wurde als Volksrepublik Polen Teil des Warschauer Pakts. Seit 2004 gehört Polen zur Europäischen Union.

 

 

 

Unsere Gespräche und Begegnungen:

 

in Posen mit Herrn Kaspar Czapracki, dem tapferen 1.Vorsitzenden des Vereins „Europa. Unia. Polska“, ein kleiner Verein, der für europäische Werte streitet

 

in Warschau mit der klugen sehr jungen Vertreterin der „Robert-Schumann-Stiftung, die Anregungen für die Europa-Union Kassel gab und mit einem nachdenklichen offiziellen Vertreter der Europäischen Union in Polen Herrn Dr. Marek Prawda, der auf Besonderheiten der polnischen Situation in der EU hinwies. So ist zum Beispiel  der faire Wettbewerb in der EU nicht ausreichend gesichert: Die für Polen typischen kleinen mittelständischen Unternehmen können sich oft nicht behaupten und werden von den „Großen“ schon früh aufgesogen oder vom Markt verdrängt.

 

in Krakau-Kazimierz mit dem Leiter des „Zentrums für Jüdische Kultur“ Herrn Dr. Joachim Russek, der die Aktivitäten des Zentrums vorstellte, die sich an Polen richteten, nicht an Juden.

 

in Kreisau, unweit von Krakau, mit Frau Nelly Wacker, die junge Bildungsreferentin der internationalen Jugendbegegnungsstätte der Kreisauer Stiftung für europäische Verständigung, ein Ort zum Träumen mit Ausblick auf das „Eulengebirge“

 

in Breslau begegneten die Reisenden dem Vorsitzenden der „Edith-Stein-Gesellschaft“, Herrn Wittek, und lernten das Leben der Breslauer Jüdin Edith Stein kennen, die innerlich und gedanklich einen weiten Weg gegangen ist und als katholische Nonne 1942 in Auschwitz ermordet wurde. Der aus Polen stammende Papst Johannes Paul II ernannte sie 1999 zur Patronin Europas.

 

Fazit:

In Anlehnung an ein Wort des Europäers Ph.Melanchthon „Wir sind zum Gespräch geboren. Geborenes und gebildetes Leben. Die Zusammenhänge verstehen.Ins Gespräch kommen. Wenn dann einer ruft: Sein oder Nichtsein? Das ist hier die Frage. Dann sind wir zum wechselseitigen Gespräch geboren“

 

Wir sollten in Europa im Gespräch bleiben. In diesem Sinne lädt die Europa-Union Kassel ein zu einer Deutsch-Französisch-Polnischen Bürgerbegegnung vom 15. bis 18. November 2018

Haben Sie Lust mitzumachen,Öffnet internen Link im aktuellen Fenster dann kontaktieren Sie uns. 

 

Vortrag Dr. Pravda in Warschau am 21. Mai 2018

Europa muss sich neu erzählen, die alten (und immer noch richtigen) Botschaften greifen bei vielen Menschen nicht mehr (z.B. die friedenssichernde Funktion der Gemeinschaft).

 

Gegen die „Klima“-Verschlechterung in der EU, die „kollektive Amnesie“, setzen die NGO den Bürgerdialog. Ein erlebtes Beispiel dafür sind die von den Dorfvorstehern betriebenen kommunalen Versammlungen zur Vorbereitung des polnischen EU-Beitritts im Jahre 2004; ohne diese Vermittlungsarbeit wäre es nicht zur Zustimmung von 92% gekommen. Die polnische EU-Bilanz ist durchweg positiv. Auf dem Land trägt die EU-Agrarpolitik noch heute, die Bauern sind in der EU zu wirtschaftlichen Gewinnern geworden, Polen wurde vom Netto-Importeur zum Netto-Exporteur von Agrarprodukten innerhalb Europas. Trotz schrumpfendem EU-Haushalts infolge des „Brexits“ um ca. 40 Mrd. Euro erhält Polen zusätzlich 4 Mrd. Euro.

 

Die klassischen Medien sind nicht interessiert an EU-Themen, die jüngere Generation nutzt die sozialen Medien und lässt sich hier ansprechen. Blogger bedienen sich allgemein einer präzisen Sprache („Genies der Worte“) -  sie sind empfänglich für bzw. interessiert an Informationen zu Europa; im Dialog der EU-Kommission (Dr. Pravda)  mit ihnen wurden gute, vielleicht auch anderswo nutzbare Erfahrungen gesammelt.  

 

In Polen geht es um eine „zivilisatorische Option“: Polen bietet wie andere EU-Länder das Bild einer „toxischen Lage“ der Innenpolitik insbesondere im Verhältnis zur EU– gegen den antizipierten (mentalen) EU-Austritt müssen die Europäer eine verständlichere Sprache und auch deutliche Worte setzen: das Verbindende herausstellen, also gerade nicht nach einem Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten streben! Die (Kritik an der) PIS-Politik sollte indessen nicht den Blick darauf verstellen, dass immer noch eine Mehrheit der Polen eine positive Haltung zu Europa einnimmt. Die Europäer sollten darüber hinaus auch nicht vergessen, dass die polnischen Partner vielleicht manchmal auch „anders denken“. Kontraproduktiv wäre deshalb, wenn Polen aus der Position der Augenhöhe etwa in den laufenden Haushaltsverhandlungen mit der EU gedrängt würde.

 

Die EU wurde Opfer ihres eigenen Erfolgs, Neid tritt an die Stelle berechtigten Stolzes und führt die liberalen Demokratien in die Krise. So spielten die unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnisse im Vergleich zum EU-Standard vor dem Beitritt Polens (1 : 10) kaum eine Rolle, heute (1 : 3) wird diese Differenz in Polen kritisch gesehen (Neid: Polen als „verlängerte Werkbank“ von VW o.ä, geringer Lohn gegenüber hohen Fahrzeugpreisen). Die Anpassung geht vielen, vor allem jungen Leuten nicht schnell genug (Beispiel der Tochter, die nach dem Studium in England nun auch europäische Vergütung erwartet). Die Bürger hören, es sei alles positiv, was beim Einzelnen so aber nicht (mehr) ankommt.

 

Die politischen Rattenfänger gefährden mit EU-feindlichen Maßnahmen die Grundlagen der EU (und der Mitgliedstaaten!), sie bieten einfache Lösungen an, obwohl die Probleme komplex sind. Sie untergraben aus Gründen der Sicherung ihrer politischen Machtstellung (das Vertrauen der Menschen in) die Rechtsstaatlichkeit. Die Populisten kaufen sich Wählerstimmen mit sozialen Leistungsversprechen (z.B. 500 PLN Kindergeld monatlich).

 

Der Rechtsstaat sichert die Rahmenbedingungen des wirtschaftlichen Wettbewerbs; der faire Wettbewerb ist in der EU aber nicht ausreichend gesichert: Die für Polen typischen KMU können sich oft nicht behaupten und werden von den „Großen“ schon früh aufgesogen oder vom Markt verdrängt. Die kleineren „Innovativen“ müssen besser gefördert werden, der Zugang zum Markt gegen oligopoläre Tendenzen geschützt und die Vielfalt der Märkte gestärkt werden. Nachdem der EU-Start in Polen gelungen war, ist nun die Frage nicht geklärt, mit welchen (politischen/ökonomischen) Instrumenten dies gelingen kann.

 

Welche Chancen bietet die EU? Mit Macron sollte auf die Stärkung der Mitgliedstaaten durch die EU gesetzt werden, die nationalen Stärken gefördert und nicht geschliffen werden. Die EU-Institutionen bedürfen der Reform zwecks Stärkung des Projekts Europa „von unten“. Europa neu erzählen, das verlangt vor allem eine klarere Sprache und neue Bilder bzw. Botschaften, um sich gegen die populistischen politischen Moden zu behaupten; richtige Grundwerte (wie der Friedensimperativ) müssen deshalb ja nicht aufgegeben werden. Die Krise des polnischen Rechtsstaats (s. das Rechtsstaatsverfahren der EU-Kommission) gehört wohl eher nicht in diese Kategorie, die aufgeworfenen Fragen greifen vielleicht Intellektuelle auf, betreffen aber kaum ein praktisches Problem des Normalbürgers.

 

Die neuen Bilder werden kaum top down durchgesetzt werden können, ihre Entwicklung ist gerade eine große Chance der Bürgerbewegungen. Die Bürger der Union erkennen, was hier auf dem Spiel steht; sie können in vielfältiger Form, durch zwischenstaatliche Kooperationen, Begegnungen und Demonstrationen das Thema Europa (be-)leben. Not tut eine permanente Überzeugungsarbeit der Europäer, dass die polnischen Probleme besser in der EU als nur im nationalen Rahmen gelöst werden können!

 


Europäische Bürger-Reise nach Polen: 19. bis 27. Mai 2018

Polen und Deutschland verbindet eine über tausendjährige wechselhafte Nachbarschaft. Dank aufrichtiger Bemühungen herausragender Persönlichkeiten beider Länder ist eine schwierige Aussöhnung nach dem 2. Weltkrieg von Polen und Deutschen gelungen. Diese Bemühungen mündeten in dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Seit dem 1. Mai 2004 ist Polen Mitglied der Europäischen Union. Unsere Bürger-Reise nach Polen möchte diesen Weg der Verständigung durch Bürgerbegegnungen und vielfältige Kontakte vertiefen. 

 

Leitet Herunterladen der Datei einLeitet Herunterladen der Datei einAlle Details entnehmen Sie bitte dem ausführlichen Flyer. Das Wichtigste in Kürze:

• Fahrt im modernen Reisebus ab / bis Kassel
• 8 x Übernachtung mit Frühstück in Hotelanlagen der guten und gehobenen Mittelklasse
• 8 x Abendessen im Hotel
• Besichtigung von Poznan mit einem lokalen deutschsprechenden Reiseführer, ca. 2 h
• Besichtigung von Warszawa mit einem lokalen deutschsprechenden Reiseführer, ca. 4 h
• Besuch des POLIN Museums mit einem Museumsführer
• Besuch des Museums des Warschauer Aufstandes mit Führung durch einen deutschsprechenden
Museumsführer
• Besuch der Oper „Feuervogel“ in Warschau
• Besichtigung von Krakow mit zwei lokalen deutschsprechenden Stadtführerinnen, ca. 3 h
• Eintritt in die Marienkirche
• Besuch des Chopins Konzert in Krakau, 1 x Glas Wein während des Konzertes
• Besichtigung von Kazimierz in Krakau mit einem lok. deutschsprechenden Reiseführer, ca. 2 h
• Besuch der Schindler Fabrik
• Besichtigung von Breslau mit einem lokalen deutschsprechenden Reiseführer, ca. 4 h
• Eintritt in die Aula Leopoldina und die Kathedrale
• Tagesreiseleitung Ausflug Kreisau
• Besichtigung von Kreisau mit einem lok. Reiseführer
• Begleitung durch die Europa-Union Karlsruhe
• nationale und lokale Steuern (ausg. unplanmäßige)
• Informationsmaterial & Reiseunterlagen
• Reisepreissicherungsschein

 

Anmeldeschluss: 25.03.2018

 

Anmeldung:
Europa-Union Kreisverband Kassel. e.V.
Andrea Heußner
Breitscheidstr. 51
34119 Kassel
Tel: 0561- 18825
email: heussner-andrea (at) t-online.de

 

Veranstalter im Sinn des Reiserechts:
via cultus Internationale Gruppen- und Studienreisen GmbH,
Märchenstr. 13, 76297 Stutensee

 


Lesung mit Matthias Kneip in der Buchhandlung am Bebelplatz

Am 22. November 2017 präsentierte Dr. Matthias Kneip sein Buch „Öffnet externen Link in neuem Fenster111 Gründe Polen zu lieben. Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt“ in der Buchhandlung am Bebelplatz. Im überfüllten Verkaufsraum hat Matthias Kneip das interessierte Publikum mit Witz, Kompetenz und differenzierter Landerkenntnis in seinen Bann gezogen. Das Buch fand bei den Anwesenden an diesem Abend reißenden Anklang. Die HNA schrieb über die Veranstaltung:

 

 

Matthias Kneip ist neben seiner erfolgreichen schriftstellerischen Tätigkeit wissenschaftlicher Mitarbeiter des Öffnet externen Link in neuem FensterDeutschen Polen-Instituts in Darmstadt.